Mit "Blended Learning" auf jeden Fall erfolgreich ins kommende Schul- und Studienjahr

In Kürze geht wieder ein durch Corona geprägtes Schul- und Studienjahr zu Ende. Wie es im Herbst weitergehen wird, ist noch ungewiss.

Mit „Blended Learning“ stehen jedoch viele alternative Lehr- und Lernmethoden zur Verfügung, mit denen guter Unterricht gelingen kann, wie Frau Dr. Ingrid Geier von der PH Salzburg Stefan Zweig und ihre Studentin Lea Sali erklären.

Wie man das Beste aus Präsenz- und Onlinelehre für die Zukunft einsetzen kann!

Die neu gewonnene digitale Kompetenz eröffnet ausgezeichnete Möglichkeiten zur Differenzierung und steigert das Selbstbewusstsein von Studierenden

Die Corona-Pandemie hat Vieles verändert. Insbesondere auch an Schulen und Universitäten, weil plötzlich der gewohnte Präsenzunterricht nicht mehr wie üblich stattfinden konnte.

Quasi von einem Tag auf den anderen wurde die Lehre auf digitale Arbeitsmethoden umgestellt.

Einige Lehrende, die schon immer gerne multimedial gearbeitet haben, hatten damit weniger Schwierigkeiten, viele haben jedoch ihren persönlichen „Fortbildungsturbo“ gezündet und sich in zahlreichen Online-Webinaren- viele auch an der PH Salzburg- digital fit gemacht.

Jetzt heißt es die neu gewonnene digitale Kompetenz auch in Zeiten von Präsenzunterricht weiterhin gewinnbringend einzusetzen. Lehrende der Pädagogischen Hochschule Salzburg machen sich Gedanken, welche Inhalte und Methoden vielleicht sogar dauerhaft besser mit Onlinetools erarbeitet werden können.

Wie kann guter Unterricht mit der Mischform „Blended Learning“ aussehen?

Das haben wir Frau Dr. Ingrid Geier von der PH Salzburg Stefan Zweig und ihre Studentin Lea Sali gefragt.

Mit Blended Learning auf den individuellen Lernprozess besser eingehen

Frau Dr. Ingrid Geier, die an der PH Salzburg sowohl in der Primar- als auch an der Sekundarstufe unterreichtet, hatte schon immer ein Faible für digitale Medien. Sie knüpft gerne mit digitalen Apps an die Lebenswelt der Studierenden an:

„Dadurch wird das Engagement, die Autonomie und die Zusammenarbeit der Lernenden unterstützt. Wichtig ist allerdings die richtig dosierte Abwechslung, kein Medium soll inflationär eingesetzt werden.“

Flipped Classroom passt für sie sehr gut in Blended Learning hinein:

„Beim Flipped Classroom passiert der Input, der normalerweise vom Lehrenden im Klassenzimmer gegeben wird, schon vorher zu Hause z.B. durch Erklärvideos. Im Seminarraum in Präsenz bleibt dann danach mehr Zeit, Fragen zu den schon bekannten Inhalten zu beantworten und das Erlernte zu festigen. Beim Präsenzunterricht, bei dem traditionell der Input durch Lehrende stattfindet, kann sich die Interaktion mit 25 Studierenden durchaus schwieriger gestalten. Hingegen beim Blended Learning die Zeit, die im Seminarraum verbracht wird, anders gestaltet werden kann. “

Frau Dr. Geier verwendet gerne virtuelle Plattformen, die kollaboratives Arbeiten, Interaktion aber auch asynchrones Arbeiten unterstützen. Sie verwendet z.B. die interaktive Pinwand Padlet, Mural oder Etherpad, um neue Denkräume oder das gemeinschaftliche Bearbeiten oder Diskutieren von Texten zu ermöglichen. Ebenso Filesharing-Systeme, wo man z.B. gemeinsam mit Programmen wie Powerpoint arbeiten kann, ohne sich zur gleichen Zeit treffen zu müssen.

Die Vorteile liegen für die Bildungswissenschafterin auf der Hand:

„Wir sind alle verschieden in unseren Lernzugängen, - abläufen, und -prozessen: Das Verwenden von Blended Learning Apps bietet beste Möglichkeiten, Diversität, Individualisierung und Differenzierung zu unterstützen. So können Studierende zeitlich und örtlich unabhängig an geteilten Dokumenten arbeiten und man kann besser auf die einzelnen Bedürfnisse eingehen. Man kann sich z.B. ein Video mehrmals ansehen, bis es verstanden wurde. Individuelle Lernpfade, kooperatives und kollaboratives Arbeiten und natürlich selbstorganisiertes Lernen werden dadurch besser ermöglicht.“

Das Erstellen eigener Lernvideos führt zu gesteigerter Selbstverantwortung

Frau Dr. Geier hat in ihrer Lehrveranstaltung mit dem Titel „Weiterentwicklung der Professionskompetenz“ Sekundarstufenstudierende mit verschiedenen Onlinetools vertraut gemacht und in der eigenständigen Verwendung fit gemacht, damit sie sie selbst wieder gut im eigenen Unterricht einsetzen können. Am Ende haben die Studierenden selbstständig Erklärvideos produziert, die in der Schule eingesetzt wurden.

Eine ihrer Studentinnen war die Salzburgerin Lea Sali, die im 6. Semester Lehramt Englisch und Geschichte studiert. Sie hat ein Lernvideo über das Steigern von englischen Adjektiven gemacht und ist begeistert von dem, was sie Alles dazugelernt hat:

„Nachdem ich vorher noch nie Videos erstellt habe, musste ich mir Alles neu aneignen. Dadurch hat sich meine Selbstverantwortung massiv gesteigert. Nachdem ich es geschafft habe und ich nun mit Technik und Tools viel besser umgehen kann, hat das meinem Selbstbewusstsein unheimlich gut getan.“ Und sie fügt an: „Ich bin nun sehr motiviert, auch später als Lehrerin vielfältige Medien und Materialien einzusetzen, weil es den Unterricht viel, viel spannender macht.“

Ihr Lernvideo hat die 28jährige übrigens schon bei einem Praktikum in der 2A der Sportmittelschule Wals eingesetzt. Die Rückmeldungen der Schüler*innen („Wir haben so viel gelernt und es hat sehr viel Spaß gemacht.“) waren so aufbauend, dass sie es dann auch noch in einer 3. Klasse eingesetzt hat.

Die künftige Lehrer*innengeneration hat also sicher keine Scheu mehr, moderne digitale Medien von Anfang an in ihren Unterricht einzubauen. Die Kunst wird es zukünftig sein, Brücken zwischen der Präsenzlehre und dem E-Learning zu schaffen, also die Vorteile „beider Welten“ zu verbinden. Der Mix macht es aus und den bietet „Blended Learning“.

 

Fotos: Ob sich Frau Dr. Ingrid Geier und Frau Lea Sali im Herbst mit oder ohne Maske wiedersehen, wird sich weisen. Bildnachweis: Daniela Gruber