Center of Competencies Diversitätspädagogik (CDP)

Unser Leitbild

Wenn „Inklusion“, „Diversität“ oder „Integration“ keine inflationär gebrauchten Selbstläufer sein sollen, braucht es gründliche Reflexion bzw. laufende Begriffsklärungen sowie konkrete Antworten für die pädagogische Praxis. Mögliche Fragestellungen lauten beispielsweise: Wie ist das Begriffsverständnis und der Stellenwert von "Diversität" an der Pädagogischen Hochschule Salzburg? Welchen Umgang mit Gleichheit und Verschiedenheit vermittelt sie in der Aus-, Fort und Weiterbildung von LehrerInnen? Wie kann ein kritischer Blick auf soziale Ungleichheiten in der Unterrichtspraxis berücksichtigt werden? Wie gerecht ist "Inklusion" oder "Diversität"? Was ist "inklusive Bildungsgerechtigkeit"? Ist "soziale Vielfalt" immer unter dem Blickwinkel der Gerechtigkeits- bzw. Armutsforschung zu denken? Was bewirkt "diversitätssensibler Unterricht" aus unterrichtsempirischer qualitativer und quantitativer Wirksamkeitsperspektive?

Aus diversitätspädagogischer Sicht geht Inklusion von den Bedürfnissen eines jeden Menschen aus und erhebt den Anspruch, Antworten auf die gesamte Vielfalt aller Individuen zu finden. "Inklusive Bildung" ist auf die gesamte Diversität bezogen und nicht ausschließlich auf die gemeinsame Bildung von Lernenden "mit oder ohne Beeinträchtigung(en)". Im Sinne der Wertschätzung des Reichtums menschlicher Erfahrungen korrespondiert Diversität mit pädagogischen und didaktischen Konzepten, in denen nicht die Fokussierung auf Defizite von Lernenden im Mittelpunkt steht, sondern die Förderung ihrer vielfältigen Kompetenzen. Eine solche "Potenzialorientierung" betont die Vorteile, welche die Verschiedenheit von Menschen für Lern- und Lehrprozesse mit sich bringt.

Andererseits verbindet sich Diversität mit sozialen Ungleichheiten, da Menschen im Kontext von Konstruktionen wahrgenommen werden, etwa in Bezug auf Geschlecht, sexuelle Orientierung (Homosexualität - Heteronormativität), Sprache, Religion, Herkunft, Migrationshintergrund, Hautfarbe, Alter, geistige und körperliche Beeinträchtigungen und/oder in Bezug auf ihre Positionierung im sozialen Gefüge. Strebt man soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle Menschen an, wird ein Diversitätsbegriff notwendig, der einerseits Diversität als Normalfall und Bereicherung versteht, andererseits bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse kritisch reflektiert.

Antworten zu geben auf Fragen nach dem Umgang mit Gleichheit und Differenz in einem struktur- und machtkritischen Kontext sucht die Intersektionalitätsforschung: Sie analysiert multiple Strukturen sozialer Ungleichheiten, die einander überlagern und bedingen/verändern und die soziale Deutungsmuster, gesellschaftliche Phänomene und die Situation/Identitätskonzepte Einzelner bestimmen. Wir verstehen diversitätsbewusste Pädagogik demgemäß als handlungsbezogene Wissenschaft und reflexive Praxis, die Verantwortung für Differenzlinien und ihr Zusammenwirken übernimmt, um soziale Ungleichheiten in praktischen Lehr- und Unterrichtssettings zu minimieren. Diversitätskategorien wie Gender, Migration, Mehrsprachigkeit, Behinderung, Sexualität sowie sozialer und Bildungshintergrund sind dabei die wichtigen Basisfelder, von denen unser Denken, Forschen und Praxishandeln ausgeht.

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Referenzliteratur zum Thema Diversität

Hier finden Sie einige Literaturhinweise zum Thema Diversität. Die Referenzliteratur zu den einzelnen Schwerpunkten des Kompetenzzentrums (Gender, Migration, Mehrsprachigkeit, Behinderung, Sexualität, sozialer und Bildungshintergrund sowie Intersektionalität) ist in den jeweiligen Unterbereichen von "Inhaltliche Schwerpunkte" angegeben.

  • Allemann-Ghionda, C. & Bukow W.-D. (Hrsg.) (2011). Orte der Diversität. Formate, Arrangements und Inszenierungen. Wiesbaden: VS.
  • Allemann-Ghionda, C. (2013). Bildung für alle, Diversität und Inklusion. Internationale Perspektiven. Paderborn: Schöningh.
  • Benhabib, S. (1999). Kulturelle Vielfalt und demokratische Gleichheit. Politische Partizipation im Zeitalter der Globalisierung. Frankfurt: Fischer.
  • Czollek L.C. & Perko G. (2007). "Diversity" in außerökonomischen Kontexten: Bedingungen und Möglichkeiten der Umsetzung. In: Broden, A. &  Mecheril, P. (Hrsg.). Re-Präsentationen. Dynamiken der Migrationsgesellschaft (S. 161-180). Düsseldorf: IDA-NRW.
  • Czollek, C., Perko, G. & Weinbach, H. (2012). Praxishandbuch Social Justice und Diversity: Theorien, Training, Methoden, Übungen. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Effinger, H., Borrmann, S., Gahleitner, S. B., Köttig, M., Kraus, B. & Stövesand, S. (Hrsg.) (2012). Diversität und soziale Ungleichheit: Analytische Zugänge und professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit. Opladen: Barbara Budrich.
  • Emmerich, M. & Hormel, U. (2013). Heterogenität – Diversity – Intersektionalität. Zur Logik sozialer Unterscheidungen in pädagogischen Semantiken der Differenz. Wiesbaden: Springer VS.
  • Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) (Hrsg.) (2010). Educating Teachers for Diversity. Meeting the Challenge. Abgerufen von www.oecd.org/berlin/publikationen/educatingteachersfordiversitymeetingthechallenge.htm
  • Prengel, A. (1993). Pädagogik der Vielfalt. Verschiedenheit und Gleichberechtigung in Interkultureller, Feministischer und Integrativer Pädagogik. Opladen: Leske + Budrich.
  • Spelsberg, K. (2013). Diversität als Leitmotiv: Handlungsempfehlungen für eine diversitäts- und kompetenzorientierte Didaktik. Münster: Waxmann.

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Adresse und Leitung

Adresse:

Kompetenzzentrum für Diversitätspädagogik
Pädagogische Hochschule Salzburg
Akademiestraße 23
5020 Salzburg

Leitung:

Prof. MMag. Dr. Manfred Oberlechner, BA
Manfred.Oberlechner(at)phsalzburg(dot)at

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